- Thiliarga  ~ Funkelndes Blut -

 

 

Eine lange Reise hatte Istharion hinter sich, als er am Ende eines kurzen Wintertages das Gebirge im Norden der bekannten Lande erreichte.

Obwohl er elbisches Blut in den Adern hatte, war er von der langen Wanderung und dem eisigen Wetter erschöpft und ausgezehrt, so dass er freudig überrascht war, als er den Höhleneingang entdeckte, der ihm ein trockenes Lager für die Nacht zu versprechen schien.

Trotz seiner Müdigkeit nahm Istharion seinen Stab in beide Hände und ging vorsichtig auf die Höhle zu. Schon nachdem er nur wenige Meter in die Höhle hinein gegangen war, vernahmen Istharions spitze Ohren das leise Prasseln eines Feuers und nachdem er eine Biegung umrundet hatte, sah er auch den Schein der Flammen an der Decke. Vorsichtig schlich Istharion weiter, als er plötzlich eine Stimme vernahm: "Tretet ein und nehmt Platz, Halbelb."

Da jedwede Heimlichkeit offensichtlich unsinnig war, trat Istharion einige Schritte vor und gelangte in eine hohe Kaverne im Inneren des Berges. Zunächst konnte der Halbelb niemanden sehen, vor allem, weil seine erstaunten Augen zunächst auf die riesige Esse in der Mitte der Höhle fielen, in der ein heißes Feuer brannte. Istharion ging ein paar Schritte um die Esse herum und sein Blick fiel auf einen mächtigen Amboss, hinter dem ein bärtiger Zwerg stand. "Hallo Istharion", grummelte der muskelbepackte Naugrim, "ich habe schon angefangen, wenn’s recht ist."

"Aiya Naugrim, da ihr mich ja bereits mit Namen begrüßt habt, würde ich nun auch gerne euren Namen erfahren", antwortete Istharion.

Der Zwerg lachte: "Nennt mich Tano, mein Beruf ist mein Name."

Istharion lächelte: "So, so, Herr Zwerg, ihr seid also Schmied und gebt euch selbst einen Namen in der Sprache der Elben, das ist gewagt."

"Ach was, spart euch euren Atem, Spitzohr, wir haben zu tun und meinen zwergischen Namen könnte eure Zunge so oder so nicht richtig aussprechen. Legt euren Kram ab, nehmt euch einen Teller Suppe und seht zu, dass ihr bald am Blasebalg steht, der Winter ist bald zu Ende und im Frühjahr will ich wieder in meine Heimat. Es ist eh kaum zu glauben, dass ich eurer Schwester und eurem Freund diesen Liebesdienst erweise.", sprach der Zwerg, hob seinen Hammer und ließ ihn auf das noch immer glühende Metall niedersausen, dass er offensichtlich eben erst aus dem Feuer geholt hatte, da es immer noch weiß glühte.

"Melyanna also", dachte Istharion bei sich, "was hat sie denn da wieder eingefädelt? Und wen meint der Zwerg mit Freund?"

Aber da seine Neugier nun geweckt war und der Zwerg offensichtlich keinen Drang verspürte, weitere Erklärungen abzugeben, beschloss Istharion, zu tun, wie ihm geheißen und richtete sich ein Lager. Als er den ersten Löffel der Suppe kostete, fühlte er, wie Kraft durch seine Adern schoss und im gleichen Augenblick erkannte er den Geschmack der elbischen Kräuter, die der heißen Speise beigemischt waren. Istharion wunderte sich sehr darüber, war es doch bekannt, dass diese Kräuter nur äußerst selten in die Hände von Nichtelben gelangten, insbesondere weil sich ihre Wirksamkeit erst durch einen geheimen elbischen Zauber entfaltete. Der Zwerg hämmerte indessen weiterhin mit wuchtigen Schlägen auf das Stück Metall ein, dessen Ende er mit einem Lederstück umwickelt hatte und mit der bloßen Hand hielt. Trotz all dieser Seltsamkeiten empfand der Halbelb keinerlei Unsicherheit oder Bedrohung, im Gegenteil, sein Gefühl sagte ihm, dass er so sicher und geborgen war, wie schon seit langer Zeit nicht mehr.

Als Istharion sein Mahl beendet hatte, trat er an die Seite der großen Esse und betrachtete das Feuer. Die Flammen waren anders als alles, was er bisher gesehen hatte. In unregelmäßigen Abständen erschienen glühende Augen in der Lohe und betrachteten den Halbelb.

„Was ist das für ein Feuer, Herr Zwerg?“, fragte Istharion.

Der Zwerg trat von dem Amboss weg und kam an Istharions Seite. Indem er die Metallstange wieder ins Feuer stieß, sagte er: „Es wird aus der Essenz eines Feuergeistes gespeist, nur so können wir den elbische Stahl und das zwergische Mithril miteinander verbinden.“

Istharion riss die Augen auf: „Das ist unmöglich, noch nie wurden beide Metalle vermischt!“

Tano grinste: „Ihr habt den Ruf, ein geduldiger Zauberer zu sein, was schon selten genug ist, wartet einfach ab und seht.“

Nach diesen Worten griff der Schmied nach einem anderen Stück Metall, das in der Esse glühte: „Das ist das Mithril, es bedarf nur noch weniger Schläge, bis es die nötigem Maße hat. Betätigt ihr nun den Blasebalg, damit der Elbenstahl gleich bereit ist.“

Istharion zog seine Toga aus und warf sie beiseite, dann begann er, mit dem Blasebalg Luft in die Esse zu pumpen. Immer wieder wurde sein Blick von den glühenden Augen in den Flammen eingefangen und gebunden und so merkte er nicht, dass er bereits mehrere Stunden mit der Arbeit beschäftigt war, als Tano ihn zu sich rief: „Kommt zu mir, Halbelb, ich bedarf eurer Hände und Arme.“

Istharion schüttelte den Kopf, um seinen Blick zu klären und trat zu dem Amboss, wo der Zwerg wartete. Tano hielt in jeder Hand einen der beiden Metallstäbe und drückte sie nun in Istharions Hände. „Haltet sie übereinander auf den Amboss und seht zu, dass sie nicht verrutschen.“

Istharion hatte kaum die richtige Haltung gefunden, als der schwere Hammer auch schon das erste Mal auf das Metall niederfuhr. Der Schlag des Zwerges war so heftig, das dem Halbelb jeder Knochen im Leib vibrierte. Aber Istharion bemerkte das kaum, so überrascht war er von dem Ergebnis des Schlages. An der Stelle, wo der Hammer die beiden Metallstücke getroffen hatte, flossen zwergisches Mithril und elbischer Stahl ineinander wie zwei Flüssigkeiten.

Noch viele Male schlug der Zwerg zu, solange, bis aus den beiden langen Stücken eines geworden war. Dann nahm er eine schwere Zange und trennte das zusammen geschmiedete Stück kurz oberhalb der Stelle ab, wo es in die beiden Stränge auslief, die der Halbelb hielt.

Das geschmiedete Stück schob Tano der Länge nach in die lodernde Esse und wandte sich dann zu dem erschöpften Zauberer um: „Legt euch schlafen, Spitzohr, ihr werdet morgen viel Kraft brauchen.“

Istharion war voller Fragen, aber seine Beine und Arme erschienen ihm schwerer als die Berge selbst und so wankte er zu seiner Decke, lies sich fallen und war eingeschlafen, bevor er auch nur noch ein Wort von sich geben konnte.

Der Zauberer schlief tief und traumlos bis in den späten Morgen des nächsten Tages hinein, doch da erschien ihm Melyanna und in ihrer gewohnten ruhigen Art sprach sie: „Vertrau Tano und nimm dir Zeit für dieses Werk, es wird einzigartig sein.“

Mit diesen Worten im Gedächtnis erwachte Istharion und als er die Augen aufschlug, sah er den Zwerg grinsend an einem kleinen Feuer sitzen und einen Hasen braten.

„Kommt frühstücken, Halbelb, wir wollen gleich weiter machen.“ Und nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Und erspart mir eure spitzzüngige Fragerei, alle Antworten werdet ihr selber in durch die Vollendung unseres Werkes finden. Nur so viel sage ich euch, eure Schwester und euer Freund Surkhelas baten mich um diesen Dienst und gerne erfülle ich ihn.“

Danach sprach der Zwerg nicht weiter von seinen Gründen und seinen Auftraggebern, aber Istharion spürte, dass er nun keine Ruhe finden würde, bis das Werk vollendet war, das er am vorherigen Tag begonnen hatte. Auch trieb ihn keine Eile, denn er streifte zurzeit eher ziellos durch die nördlichen Lande, auf der Suche nach einer Aufgabe oder einem Abenteuer.

Diese Aufgabe hatte er nun offensichtlich gefunden und die Fragen, die sich dem Halbelben nun stellten machten die ganze Situation durchaus abenteuerlich.

„Wohlan“, sagte Istharion, „so ihr mir dann nicht mehr über Geschichte hinter diesem Werk erzählen mögt, bitte ich euch dennoch, mir Aufklärung über unser bevorstehendes Tagwerk zu geben, Herr Zwerg.“

Schallend lachte der Zwerg: „Eine höfliche Sprache führt ihr, Halbelb und einfach ist euer Wunsch zu erfüllen. Schmieden werden wir, und das nicht nur heute, sondern an jedem weiteren Tag bis zum Ende des Winters. Schleifen und polieren werdet ihr, Holz hacken und den Blasebalg betätigen, jagen und Essen zubereiten und wenn es das Metall will, werde ich euch die ein oder andere Geschichte erzählen.“

Das genügte Istharion zunächst und es sollte sich genau so zutragen, wie der Zwerg es voraus gesagt hatte.

Viele Male brachten sie den Metallstab zur Weißglut und der Zwerg faltete den Stahl immer wieder, so dass sich die beiden widersprüchlichen Metalle zu einem einzigartigen Stück verbanden. Einige Wochen verbrachte das ungleiche Paar miteinander und so verschwiegen Tano auch über die Hintergründe ihrer Aufgabe war, umso gesprächiger war er, wenn sie des Nachts an dem kleinen Feuer saßen und der der Zwerg uralte Geschichten aus der Zeit erzählte, als Elben und Zwerge noch jung waren und die Götter noch über die Erde wandelten.

Istharion revanchierte sich seinerseits mit einigen Geschichten, aber immer wenn er versuchte, das Thema auf Melyanna oder Surkhelas zu lenken, grinste der Zwerg verschmitzt, ließ sich aber keine weiteren Informationen abringen.

Bald schon erkannte der Halbelb, dass sie dabei waren, eine lange, aber schmale Schwertklinge zu schmieden. Eine Klinge aus einem Metall, wie es sie auf der Welt noch nie gegeben hatte.

Dann, eines Tages, als der Frühling bereits begonnen hatte seine grünen Hände auf die Bäume vor der Höhle zu legen, sagte der Zwerg zu Istharion: „Seht Halbelb, unser Werk ist fast vollbracht. Die Klinge ist geschmiedet. Noch einmal wollen wir sie schmieden und dann ein letztes mal härten.“

Mit diesen Worten nahm Tano die glühende Klinge aus der Esse und reichte sie Istharion: „Dieses Mal werdet ihr den Hammer führen.“

Istharion war überrascht, hatte der Zwerg ihm doch niemals zuvor sein schweres Werkzeug überlassen. Sich fragend, ob er überhaupt dazu in der Lage war, den wuchtigen Hammer zu führen, griff der Halbelb nach dessen Stiel und hob den Hammer zum Schlag. Wundersamerweise war der Hammer keineswegs schwer und ließ sich spielend führen, ganz so, als wüsste das Werkzeug selbst, welche Aufgabe es zu erfüllen hatte. Istharion begann, den Stahl zu hämmern und der Zwerg verschwand in den rückwärtigen Teil der Höhle.

Einige Zeit später kam er wieder und trag zwei Gegenstände bei sich, die Istharion nie vorher aufgefallen waren. In der einen Hand hielt Tano eine kleine Flasche und in der anderen ein schmales Kästchen aus Holz. Der Zwerg stellte das Kästchen beiseite und öffnete die Flasche, aus der sogleich ein kupferartiger Geruch stieg, der Istharion einen Schauer über den Rücken laufen ließ.

Sogleich ließ der Halbelb den Hammer fallen, griff nach seinem Zauberstab, der in der Nähe an der Wand stand und blickte den Zwerg kampfbereit und mit finsterem Blick an. Mit fast erstickender Stimme sprach Istharion: „Das ist Melyannas Blut, jede Faser meines Körpers vibriert, was ist mit ihr geschehen? Sprich, Zwerg!“

Der Zwerg lächelte sanft und mit ruhiger Stimme antwortete er: „Freiwillig wurde es gegeben, Istharion. Eure Schwester ist wohlauf und ersehnt eure Rückkehr mit dieser Klinge an der Seite. In diesem Blut, vermischt mit dem klaren Wasser des Gletschersees werden wir die Klinge härten und sie verzaubern. Niemals wird dieser Stahl brechen und kein anderes Metall oder Holz kann ihm widerstehen. Freiwillig wurde es gegeben, ebenso wie das andere Geschenk, welches in dem Holzkasten ist.“

Mit diesen Worten stellte Tano die Flasche mit Melyannas Blut beiseite und griff nach dem schmalen Holzkasten um ihn zu öffnen. Der Zwerg nahm ein in Leder eingeschlagenes längliches Bündel hervor und öffnete es. Istharion erkannte sofort was es war und zuckte zusammen: „Holz von Ferenarga, dem Zauberstab Thargelions, der nun seinem Freund Surkhelas dient und gehört. Wie ist das möglich? Niemals würde Surkhelas den Stab zerstören!“

„Vergesst ihr eure eigenen Wurzeln, Halbelb?“, fragte der Zwerg mit zusammengezogenen Augenbrauen, „Ihr selbst müsstet am besten wissen das der Stab, von dem dieses Holz stammt, aus dem lebenden Herzen eines der heiligen Elbenbäume gemacht ist. Die Magie des Baumes und das Blut der beiden großen Magier lassen dieses Holz nie sterben. Surkhelas trennte ein Stück des Stabes in einem Ritual ab und sofort wuchs der Zauberstab wieder auf die Länge, die Thargelion ihm einst gab. Dieses Stück hier wird der Griff des Schwertes werden und das Schwert wird somit die Schwesterwaffe des Stabes Ferenarga sein. Schwert und Stab, Stab und Schwert, immer wenn beide zusammen stehen, werden die Mächte der Finsternis unterliegen. Große Geschenke werden euch gemacht Istharion, erweist euch ihrer würdig.“

Istharion sank auf die Knie, als er diese Worte vernahm und Tränen benetzten seine Wangen. Der Zwerg trat zu ihm und legte dem Halbelb die Hand auf die Schultern: „Ihr seid würdig und das wisst ihr, aber vergießt diese Tränen nicht umsonst, sondern mischt sie mit dem Gletscherwasser in dem Fass in dem wir die Klinge kühlen werden.“

Istharion schwirrte der Kopf, überwältigt von den Geschenken, die er erhalten hatte, aber wie ihm der Zwerg geraten hatte trat er an das Fass mit dem klaren Wasser, wischte sich die Tränen mit den Händen aus dem Gesicht und hielt sie in das eiskalte Gletscherwasser, dass sich trotz der Nähe zu der von Geisterfeuer gespeisten Esse nicht erwärmte. Die eisige Kälte klärte seine Gedanken und er wandte sich zu dem Zwerg um: „Ihr habt große Geheimnisse, Naugrim, aber ich vertraue euch, wie es mir Melyanna im Traum geraten hat.“ Und mit grimmiger Freude fügte er hinzu, „lasst uns dieses Werk fortsetzen, ich kann kaum erwarten, die Klinge in der Hand zu halten.“

„So ist es recht, Freund“, lachte der Zwerg, „nehmt nun das Schwesterblut und vermischt es mit dem Wasser. Den letzten Schlag auf die Klinge habt ihr getan und nun soll sie härter als jedes andere Metall auf dieser Welt werden.“

Istharion nahm die noch immer weißglühende Klinge vom Amboss, griff nach der Flasche mit Melyannas Blut und trat an das Wasserfass. Ein Zauber stieg in Istharion auf und mit leiser Stimme sprach er Worte in der Hochsprache der Elben, als er das Blut in das Fass fließen ließ.

Einen Tropfen des Blutes ließ Istharion auf die Spitze der Klinge laufen, dann stieß er das glühende Metall in das Fass und weißer Dampf stieg auf, umhüllte Halbelb und Zwerg und füllte die Höhle.

„Nehmt nun das Holz von Ferenarga, Istharion.“ sagte der Zwerg und reichte das Stück von Surkhelas Stab dem Halbelben.

Istharion griff danach und als er es in den Hand hielt, erschien ein Spalt in dem lebenden Holz. Sogleich legte der Halbelb das Stück von Ferenarga um das Ende der Schwertklinge und die Magie von Baum und Blut, Mithril und Zwergstahl entfaltete sich und der Griff verband sich untrennbar mit der blutgehärteten Klinge.

„Nun nehmt auch von mir ein Geschenk an“, sagte Tano zu Istharion und reichte im eine Parierstange, in deren Seiten feinste zwergische Runen geschnitten waren, „diese Parierstange und der passende Knauf sind mein eigener Beitrag zu eurer Klinge, Istharion, denn auch wenn es kaum einen Zwerg gibt, der lieber ein Schwert statt einer Axt führt, so wissen wir dennoch, wie der Kampf mit einer solchen Waffe abläuft. Die Klinge müsst ihr selbst führen, aber die Stärke der Zwerge liegt darin auszuharren und standhaft zu bleiben und so wird diese Parierstange eure Hand vor den Klingen schützen, die euch im Kampf begegnen.“ Mit diesen Worten ließ der Zwerg die Parierstange über die Klinge bis zum Griff gleiten, wo sie sich mit dem immer noch heißen Klingenstahl verband. Danach schob er den fein gearbeiteten Knauf auf das Ende der Klinge, das aus dem Griff herausragte. So sauber gearbeitet waren beide Teile, dass der Übergang von Stange auf Holzgriff und wieder zum Knauf keinerlei Fuge oder Spalt aufwies.

Istharion hielt das Schwert nun in der rechten Hand und er fühlte, wie der Griff des Schwertes mit seiner Hand und seinem Arm zu einer Einheit wurden. Glücklich strahlte der Halbelb den Zwerg an. „Das ist die schönste Waffe, die ich je gesehen habe, Tano, sie ist unglaublich!“

„Ja“, sagte der Zwerg, „und unglaublich tödlich wird sie sein, wenn sie geschliffen und poliert ist. Nun ist es an euch, dem neuen Stahl seine Schärfe und seinen Glanz zu geben.“

Voller Freude ging Istharion zum Schleifstein und hielt die Klinge an die sich drehende Scheibe. Eine Woche lang schliff und polierte der Halbelb und zuletzt schnitt er den Namen des Schwertes mit Diamant und Zauberkraft in die Klinge: Thiliarga – Funkelndes Blut.

So ehrte Istharion das Werk des Zwergenschmiedes, dem es gelungen war, zwei Stähle, die als unmischbar galten zu einer funkelnden Einheit zu verbinden und gleichzeitig die Geschenke von Melyanna und Surkhelas.

Der Zwerg sprühte die ganze Zeit vor Freude doch als die Klinge fertig war Istharion seinen neuen Freund suchte, war dieser nicht mehr in der Höhle.

Verwundert suchte der Halbelb nach dem Zwerg, den er kurz zuvor noch in der Höhle gehört hatte und als Istharion mit dem Schwert in der Hand aus der Höhle trat, erwartete ich Tano in Rüstung und bewehrt mit Axt und Schild.

Grinsend sagte der Zwerg: „Wohlan Spitzohr, Schmieden habt ihr gelernt, Zaubern könnt ihr und wertvolle Freunde nennt ihr euer Eigen, nun lasst uns sehen ob ihr auch dazu in der Lage seid, diese Klinge zu führen.“ Und mit einem Schrei in der Sprache der Zwerge stürzte er scih auf Istharion. Wuchtig fielen die Schläge des Zwerges und seine Axt spann ein Netz aus Zwergenstahl um den Halbelb, doch kein einziger Schlag berührte den Körper Istharions. Jedes Mal war die Schwertklinge dort, wo die Axt niederfuhr und blockte die Schläge des Zwerges, der immer grimmiger versuchte, eine Lücke in Istharions Deckung zu finden. Der Halbelb, der zunächst damit beschäftigt war, die Angriffe des Zwerges abzuwehren, fing nun an, Gefallen an dem Kampf zu finden und ging von Abwehr in Angriff über. Doch trotz aller Bemühungen, gelang es ihm seinerseits ebenso wenig, die Deckung des Zwerges zu durchbrechen. Dennoch erzielte er Wirkung, denn der Schild des Zwerges war bald in Stücke gespalten und erste Scharten zeigten sich in der Axt, während die Schwertklinge nach wie vor unversehrt blieb. Dann, als beide Kämpfer erste Anzeichen von Müdigkeit zeigten, schwang Istharion das Schwert in einer langen eleganten Bewegung von unten nach oben und dem herabsausenden Axtkopf entgegen. Die Schwertklinge traf den Stiel der Axt kurz unter dem Kopf und durchtrennte sowohl die Metallverstärkung als auch das darunter liegende Hartholz mit einem sauberen Schnitt. Der abgetrennte Axtkopf sauste durch die Luft und fiel ins Gras und vollkommen verblüfft starrte der Zwerg nun auf die funkelnde Schwertspitze, die ihren Bogen vollendet hatte und nun einen Fingerbreit vor seiner Nase schwebte. Schallend fing der der Zwerg an zu lachen und in dieses Lachen mischte sich der Beifall von Melyanna und Surkhelas, die nun lächelnd aus dem Schatten der Bäume traten.

Istharion war wie benommen, als er seine Schwester und seinen Freund sah, lief aber nur einen Augenblick später an dem immer noch lachenden Zwerg vorbei, schloss seine Schwester und Surkhelas in die Arme und riss beide zu Boden. Freudiges Lachen aus den Kehlen von Zwerg, Mensch und Elben erfüllte nun die Lichtung vor der Höhle und es dauerte eine geraume Zeit, bis einer der Anwesenden wieder ein verständliches Wort von sich geben konnte.

Der Tag neigte sich dem Ende als sich alle vier in der Höhle niederließen, um gemeinsam zu essen, zu trinken, zu erzählen und zu feiern. Surkhelas hatte ein kleines Fässchen Bier mitgebracht und nachdem Istharion erzählt hatte, wie Tano und er das Schwert geschmiedet hatten, immer wieder voller Worte des Dankes an seine Schwester, seinen Freund und den Zwergenschmied, erklangen alsbald Lieder und Lachen in der Höhle. Irgendwann legten sich alle müde aber glücklich zur Ruhe und schliefen sanft ein.

Als Istharion am nächsten Morgen erwachte, erwartete ihn eine Überraschung. Esse, Amboss, Schleifstein und alle Werkzeuge des Schmiedes waren verschwunden. Ebenso entdeckte der Halbelb keine Spur von dem Zwerg selbst und als er sich fragend an seine Schwester wandte, sprach diese: „Du hattest göttlichen Beistand, Toronnya, aber das Werk Aules, des göttlichen Schmiedes und Vaters der Zwerge ist vollendet.“

Da erkannte Istharion, wer sich hinter dem grimmigen und fröhlichen Zwerg verborgen hatte und der Halbelb wusste, dass ihm nun eine mächtige Waffe in die Hand gegeben war, verbunden mit der die Aufgabe, den Feinden der Götter auf der Erde zu begegnen.

Bald schon brachen Istharion, Melyanna und Surkhelas gemeinsam auf, um sich neuen Abenteuern zu stellen und wo immer Schwert und Stab gemeinsam auftauchten, flohen die Mächte der Finsternis oder erlagen der Macht des vereinten Blutes, Holzes und Stahls.

 

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