- Tindomerel ar Lomion-

 

 


Frage nicht, sondern warte, bis du gefunden wirst!

 

 

   
 


Ein kleiner Mann sitzt an einem alten Holztisch, einen großen Teller dampfender Bratkartoffeln mit Staubschleifereiern vor sich und einen großen Krug voller fröhlich sprudelnden Biers daneben. An der linken Seite seines Stuhls lehnt eine große Axt, mit einem seltsamen Wappen. Seinen Reiseumhang hat er über die Lehne geworfen, doch die Fibel hat er sich an die Brusttasche gesteckt. Ein seltsames Stück, mit in sich verschlungenen Ornamenten, in schlichtem Gold. Mürrisch schaut er dich an. „Kann ich was für Euch tun, oder stört Ihr einfach nur gern Leute beim Essen?“ fragt er und du hast den Eindruck, dass er das genauso wütend meint, wie er es sagt. „Lasst mich erst essen, der Weg war lang, dann können wir reden“: brummt er. Ein zweiter, nur unwesentlich größerer, aber ein wenig kräftigerer Mann tritt an den Tisch. Dir fällt erst jetzt auf, dass an dem anderen Stuhl ein großer Streithammer lehnt und über der Lehne ein weiterer Reiseumhang hängt. „Wieder nur Ziege“, brummt auch der Neuankömmling und lässt erst krachend einen schweren Teller voller Bratkartoffeln und würzig duftenden Grillfleisch auf den Tisch und sich dann in den Stuhl fallen. Eilig beginnt er zu essen, dann schaut er auf und knurrt mit vollem Mund „Wersn das?“ Du schrickst ein wenig zusammen, denn seine Augen funkeln dich ein wenig bösartig an. „Lass gut sein Berilac, das kriegen wir schon noch raus“, antwortet der andere, „Wirt, bringt unserem Gast ein Bier“. „Ah, der feine Herr Eisenhand ist wieder spendabel“ erwidert Berilac, aber ein breites Grinsen tritt nun auf sein Gesicht. Der Wirt stellt dir das Bier hin und du schaust lieber erst einmal nur auf dein Getränk, denn unhöflich willst du dann ja doch nicht sein. Plötzlich sagt der eine, und er klingt nun wesentlich freundlicher „Stoachan Eisenhand, Zwergenschmied, und das ist“, dabei deutet er auf den breit grinsenden Mann neben sich, „Berilac Broadbelt. Und wer seid Ihr?“ Eilig beantwortest du die Frage, während du einen verstohlenen Blick auf den anderen wirfst. Auch er trägt eine dieser Fibeln und an Irgendetwas erinnert dich diese Verzierung. Offenbar ist den beiden Männern deine Neugier nicht entgangen.
„Traut sich nicht zu fragen, was Stoa?“
„Sieht so aus.“
„Sagen wirs ihm?“
„Warum nicht?“
„Mach du, du bist besser in solchen Dingen“, dann hebt er die Stimme, „Und Herr Wirt, noch zwei Bier, das wird wohl etwas länger dauern.“


„Nun, wir sind vom Clan Tindómerel ar Lómion, Freunde der Familie Adanedhel, der Elbenmenschen“. Dein Gesicht scheint einen sehr fragenden Eindruck zu machen, denn beide Männer lachen kurz. „Nicht überfordern Stoa“. Der andere nickt und sagt dann: „Na da fangen wir wohl am Besten vorne an“. Und plötzlich klingt seine Stimme sanft und er erzählt dir eine Geschichte, wie du sie selten vorher gehört hast.

 

   


„Finsternis lag über der Welt und die Schreie der wilden Tiere, geschaffen von Linfandol, hallten über die dunklen Ebenen, kalten Steppen und durch die dichten Wälder, welche Ontenals Werk waren, und was da lebte jagte zu Land, in der Luft, ja selbst in Untamis Wassern. Reitalir, auf Intalars, des Ältesten der Vantalir, Geheiß, breitete die Arme und Funken entsandt er hin zum Firmament. Ziellos irrten diese lang umher, bildeten Formen und gaben sie auf, bis ihr Meister ihnen Halt gebot und sie verharrten, wo sie standen und viele heute noch zu sehen sind. Dann sprach Intalar und seine Stimme schwingt noch heute in allem, was da lebt und allem, was da wächst, ein Echo bis hin zum Ende der Zeit. Er verkündete die Ankunft der Kinder des Zwielichts und prophezeite das Kommen der Finsternis, wie das Erstrahlen des Lichts und mit diesen sollten andere Zöglinge erscheinen.
Aitalir erhob sich daraufhin und wandelte, von Reitalir begleitet, durch die Lande, bis sie in einem dichten, Stern beschienene Wald das Knie beugte und sie formte Leiber aus dem Boden zu ihren Füssen. Intalir gab ihnen das Leben und lang sollte es sein, denn gefahrvoll war die Zeit und nur Erfahrung konnte das Leben erhalten. Unfadil und Dorajil nannten sie die Ältesten der Kinder des Zwielichts, der Tinnudhrim, der Elben, wie sie die Menschen später hießen, und Zwillinge waren sie von durch ihrer Mutter Hand.

 

 

Ivorwen Adanedhel 

 


So zogen die Geschwister tiefer in jenen Wald und bei ihnen waren einige der Vantalir und so mancher Antanar. Doch Reitalir, der Sternenbringer, war es, auf dessen Bitte Linfandol dem jungen Volke mehr Licht schenkte, denn gemeinsam schufen sie das Soltaju, das Lichtkraut, welches fortan in allen Siedlungen der Elben zuerst gepflanzt wurde und ihren Bauten beim Wachsen zu sah. Die Zeit in der es leuchtete nannten sie Tag und jene, da es nur leicht zu glimmen vermochte Nacht. Im Lichte dieser Pflanzen, dem Lehren der Vantalir und Antanar und unter der Führung der Geschwister, brachten das junge Volk es bald zu hoher Meisterschaft in vielen Künsten und ihre Lieder erfreuten die Welt, ihre Bauten erstrahlten im Glanze des Soltaju und ihre Schmiedewerke waren fein und leicht.
Dann jedoch kam der erste Schatten und das Soltaju verdarb, Dunkelheit unter dem spärlichen Licht der Sterne ließ sie verzweifeln. Wieder war es Reitalir, welcher gegen die Finsternis aufstand und einen Feuerball zum Himmel schoss, der dort noch heute seine Bahnen zieht, und die Elben sagen, genau zu den Zeiten, wie einst das Soltaju geruht und auch geblüht.

Doch, so hatte es Intalir bestimmt, im neuen Lichte über der Welt sollte neues Volk geboren werden. Kanameon trat nun hervor und formte, wie einst Aitalir, aus frischem Boden Leiber und Intalir schenkte ihnen das Leben. Kräftiger war ihre Gestalt und zäher war ihr Körper, doch nur sehr kurz, an der Spanne der Tinnudhrim gemessen, war ihr Leben und weit wechselhafter ihr Gemüt. Die Ersten jener, welche die Elben Zwinadir nannten und die sich selbst Menschen hießen, waren wissbegierig, und auch wenn sie nie die Meisterschaft der Lehrmeister erlangten, so waren sie doch in vielen Dingen sehr begabt und große Kunstfertigkeit erlangten sie.
Lange Zeit lebten die Elben und Menschen bei einander, doch schnell wuchs die Zahl der zweiten Kinder und eine ungekannte Traurigkeit befiel die ersten bei deren Tod, während Neid auf das lange Leben in den anderen erwachte. So entfernten sich beide Völker voneinander, wenn gleich sie noch viele Jahre friedlich miteinander lebten.
Die Menschen siedelten in allen Landen, während die Elben ihren Wäldern treu blieben. Doch dann kamen die Tage von Ejantor und der Schatten trat zwischen die Völker.

 

 

 



Ejantor, zu dieser Zeit der Höchste der Menschen, welche ihre Macht in Gold, Land und Gefolge bemaßen, neidete den Elben ihre Schätze und deren Bauten. So rüstete er eine Armee und fiel über die Lande her, die noch mit den Tinnudhrim verbunden waren. Grausamer als je zuvor nahm er Land und Leben. Rasch kam er voran und die Bewohner der Gebiete flohen zu den Wäldern der Elben hin. Dort sammelten sich die verbliebenen Fürsten und deren Söhne, und Unfadils Banner wehte bald im Wind vor tausenden von Mannen. Gemeinsam zogen sie nun gegen Ejantor. In der Schlacht des großen Klagens trafen sie aufeinander und die Streitmacht von Menschen und Elben rang den tyrannischen König nieder. Doch Unfadil ließ in jenem Kampf sein Leben und viele Große unter den Tinnudhrim, so seine Söhne Arfaniol und Hiradil, aber auch seiner Schwester Sohn Reiantil und deren Mann Isthonil, wurden getötet.
Die Kinder Ejantors entzweiten sich nach dieser Niederlage, Refetor wand sich nach Süden und übernahm das Königreich des Vaters, seine Schwester jedoch und die Wenigen, die ihr folgen mochten zogen gen Westen und lebten von nun an abgeschieden im Wald und so wie sie dort ihr Dasein fristeten, wurden sie eins mit jenem Walde und bald darauf nannte man sie nur noch Ontena, und aus ihrem Volke stammen die Onlos unserer Tage“.


„Wart mal kurz“, unterbricht nun der eine Zwerg den anderen, „Herr Wirt, hier ist schon wieder so gesunde Luft in meinem Krug, ändert das mal“. Der Angesprochene huscht herbei, einen neue Runde Bier in den Händen und nimmt die leeren Krüge mit sich. „Auf Schlacht und Krieg“, fängt Berilac an und Stoachan setzt fort, „und auf den glorreichen Sieg“. Dann krachen die zwei die Krüge aneinander und schauen dich verwundert an. „Jetzt ran mit dem Krug, ich verdurste!“, fordert Berilac. Ein wenig zaghaft stößt du den deinen gegen die ihren. „Na, also das müssen wir aber noch üben“. Stoachan lehnt sich auf seinem Stuhl zurück und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, fährt er mit der Geschichte fort.

„Dorajil jedoch war nun die Herrin der Elben und da nun wieder Frieden einkehrte, wenn gleich gelegentlich die Grenzen der befreundeten Reiche von kleinen Streitigkeiten mit den Armeen des erstarkenden Refetor betroffen waren, wuchs das Volk der Elben, wenn auch langsam. Viele Bauten errichteten sie in dieser Zeit und so manches ist selbst heut noch nicht zu Staub zerfallen, obwohl zahlreiche Kriege die Lande später noch verheerten. Dorajil jedoch lebte nur noch für die Geschwister, Zwillinge wie Unfadil und sie selbst, welche sie Isthonil kurz vor seinem Tod geboren. Riutin und Ajena hießen sie, und Führer ihres Volkes wurden sie, nach dem ihre Mutter, von Gram und Kummer gebrochen, starb. Zuvor jedoch übergab sie ihnen einen einfachen, grauen Stein. Es war ein Bruchstück des Felsen, an welchem ihr Vater fiel.
Die Jahre gingen ins Land und Refetors Erben näherten sich mal mehr, mal weniger, mal von Süden, mal von Osten, doch nie drangen sie bis zum Heim der Elben vor. Stark waren die Bündnisse in jener Zeit und zahlreich die Tinnudhrim.
Doch Jiantor verstand es die Taruner, einer seltsames Volk aus den tiefen der Wüsten im Süden, zur Gefolgschaft zu bewegen und obgleich sie die Elben nicht kannten, so hörten sie doch auf die Einflüsterungen des gierigen Erben Refetors. Nun zog ein neuer Krieg auf und aus dem Südwesten kommend vielen die Feinde über die Lande her, welche wir heute als Nawor kennen. Rjutin, dessen Ehe kinderlos geblieben war, zog ihnen mit beinahe allen waffenfähigen Elben und vielen Menschen entgegen, auf den Schlachtfeldern Kuridans trafen sich die Armeen und sechs Tag und Nächte fochten sie. Jiantors Mannen wurden ausgelöscht und er selbst von Rjutins Schwert durchbohrt. Aber Rjutin fand den Tod und die Elbenschar schwand unter dem Ansturm der Taruner, jenes edlen, kriegerischen Volke aus dem tiefen Süden. Die Menschen jedoch hielten zuerst dem Ansturm Stand, doch mussten sie bald darauf nach Norden weichen und die Taruner drangen vor bis hin zum Elbenwald. Dort wüteten sie viele Tage, bis das Heer der Menschen und der übrigen Elben sich gesammelt und sie vertrieb.
In Trümmern lagen nun die Türme und Häuser, zertreten im Staub die Pflanzen der Gärten. Nur eine handvoll Elben war geblieben, darunter Ajena und ihre beiden Kinder, die Zwillinge Hirail und Sujara. Tränen waren zahlreich vergossen und dann zogen die Übrigen gen Westen über die Berge.

Jahrhunderte vergingen, ohne das auch nur Wispern von ihnen zu vernehmen gewesen wäre. Verschollen, vergessen und die wenigen Bauten, die bestanden in Menschenhand und ihre Herkunft im Dunkeln.

 

 



Viele Kriege verwüsteten die Lande und einfacher wurden die Werke, wie Bauten. Ein jeder Stamm der Menschen strebte nach mehr Macht und so nahm ihre Zahl stetig ab, wie auch ihr Wissen um viele Dinge.
In jenen dunklen Tagen, als der Schatten noch lichter war den heut, fand ein einfacher Bauer des Abends eine junge Frau in seinem Hof. Sie trug einen Stein bei sich und sonst nichts, außer ihrer Kleider am Leib. Ihre mandelförmigen Augen jedoch verrieten, dass sie älter war, als es auf den ersten Blick schien, aber auch, dass sie viel durchlitten hatte und ihr Ende nahe war. In der Nacht, da die Gestirne Ithil in ihre Mitte nahmen, gebar sie die Kinder, mit denen sie schwanger ging. Istharion und Melyanna hieß sie die Zwillinge und ohne ihren eigenen Namen zu nennen, schloss sie ihre Augen und ihr Atem verebbte. Der Bauer, nahm sich der Kinder an und zog sie auf, als wären sie seine eigenen. Bald jedoch bemerkte er, dass auch sie anders waren, weniger menschlich. So wiesen sie zwar einen Teil der Kraft auf, welche Menschen besitzen, doch auch viele Eigenschaften, die er selbst nur aus alten Mären und Legenden kannte. Das Auffälligste jedoch war, dass sie weit langsamer alterten, als die übrigen Kinder im Dorf und so führte er sie, als sie etwa vierzig Jahre alt waren und sich sein eigenes Ende nahte, zu einem Erzähler, welcher uralte Geschichten kannte. Neugier erwachte in den Geschwistern, doch wollten sie ihren Ziehvater nicht in seinen letzten Tagen verlassen und blieben noch weitere zwei Jahre, doch ihr Blick wand sich nun häufig gen Westen.
Als der alte Bauer auf dem Totenbett lag, übergab er ihnen das Einzige, was ihre Mutter hinterlassen, jenen seltsamen Stein und eine seltsame Wandlung ging in diesem Moment in den Kindern vor, als wenn sie Jahrhunderte gesehen hätten. Am Morgen trugen sie ihren Vater zu Grabe und brachen hernach gen Westen auf und verschwanden für viele Jahrzehnte hinter den Bergen.

Die Welt indes wandelte sich in dieser Zeit, da der Stein über Konlir kam und wie Intalir vorherbestimmt, erwachten mit ihm neue Zöglinge. Die Seri, vom Willen des Steins beherrscht, welcher durch das Serum des Todes in ihren Kopf dringt und sie ihrer Gedanken beraubt, mehrten sich in Reikan und wurden zu einer nicht zu unterschätzenden Macht. Ihr Bündnis mit den Tarunern und jenen dunklen Magiern, welche nach der Spaltung des Ordens der Zauberer ihren Sitz in der Trutzfestung am Buraner Pass nahmen, war stark und erfolgreich, und ihre Raubzüge verheerten die angrenzenden Lande.
Viele zogen aus, Menschen, wie Onlo um der Gefahr Einhalt zu gebieten, doch gelang es nicht dem Krieg ein Ende zu setzen und so dauert er fort bis in unsere Tage.

Eines Morgens jedoch betraten zwei Fremde das Dorf Konlir und gingen hinüber zu einem heruntergekommen Haus, klopften an die Tür und das alte Mütterchen, welches darin lebte öffnete. Ihre Augen sollen sich, so berichteten die Nachbarn, welche von Neugier getrieben, den beiden folgten, geweitet und dann mit Tränen gefüllt haben. Hernach nahm sie erst die junge Frau und dann den jungen Mann in die Arme und eine Zufriedenheit soll von ihr ausgegangen sein, wie sie nie zuvor auf ihrem sonst, vor Traurigkeit mit vielen Falten überzogenem Gesicht zu sehen war. Als die Bauern jedoch die Namen hörten, glaubten sie, die Alte hätte den Verstand verloren, obwohl der Stein bei ihr nie Wirkung gezeigt, Melyanna hieß sie die Frau und Istharion den schwarzhaarigen Mann. Beide traten ein und sie verweilten lange Zeit und gaben der Alten das letzte Geleit. Im Dorf herrschte offenes Entsetzen, denn beinahe sechzig Jahre waren vergangen, seit die Geschwister diesen Ort verlassen und Jarani war damals noch ein kleines Mädchen, die Tochter des leiblichen Sohnes des alten Bauern, welcher die Zwillinge an Kindesstatt annahm.
Bald hernach brachen die Beiden jedoch erneut auf und ihre Geschichte wird wohl erst in späteren Tagen erzählt werden“.

 

 

  
 


Hier beendet der Zwerg Stoachan plötzlich die Geschichte. Du schaust ihn verblüfft an und dann sprudelt es aus dir heraus, „Aber, wie, wie geht es ihnen, sie müssen doch irgendwo sein? Was ist mit Euch, ihr kennt sie doch, oder nicht?“ Breit grinsend schauen dich beide Zwerge an, dann greifen sie nach ihren Krügen und trinken einen kräftigen Schluck. Dann greift Berilac in seine Tasche, legt fünf Goldmünzen auf den Tisch „Hier Stoa, hast du dir redlich verdient. Warum nur klappt das immer wieder?“ „Weiß nicht, liegt wohl an der Neugier“, er grinst dich an und fährt dann fort

„Istharion und Melyanna, welche sich den Beinamen Adanedhel zugelegt hatten, fanden Freunde in einer Gemeinschaft, welche sie bei der Suche nach ihrer Vergangenheit unterstützte, sie besuchten die Schlachtfelder der alten Zeit, durchforsteten die Ruinen der hohen Bauten und scheuten sich auch nicht durch die tiefsten Wälder zu gehen. Verändert waren beide wiedergekehrt, soviel hatte ich schon erwähnt, doch, dieser Wandel saß tiefer, als ihr vielleicht glaubt. Sie hatten bei ihrer Fahrt nach Westen erkannt, dass es nicht die Herkunft eines Wesens ist, die seine Gesinnung bestimmt, sondern sein Charakter. Verräter gibt es bei allen Rassen, sogar bei den Elben, und Diebe, wie Lügner ebenso. Jemanden böse zu nennen, wie man es so lernt, nur weil er Taruner ist, so sagen sie, ist schlichtweg falsch. Ein Taruner kann nach seinen Riten leben und trotzdem ein wahrer Freund sein. Nichts ist böse in einem Wesen, es sei denn, es selbst will es so. Dies war die Art, wie sie mit ihrer alten Gemeinschaft lebten, doch dann kam ein neuerlicher Wandel und so mancher der alten Gefährten wurde sesshaft und wollte nicht mehr durch die Lande ziehen. Da brachen sie allein von Neuem auf und fanden, ohne sie zu suchen, neue Gefährten, wenn gleich sie auf immer in Freundschaft mit der alten Gemeinschaft verbunden sind. Sie wählten sie nach dem Herzen aus. So eine junge Menschenfrau, welche vom Serum getrunken um ihre Eltern zu finden, deren Herz und ihre Liebe sie jedoch vor den hinterhältigen Einflüsterungen des Serums bewahrten. Eine Onlodame, welche längst über die Schranken der Rassen hinwegsehen gelernt hatte und allen freundlich gegenübertritt, auf das den größeren Bedrohungen Einhalt geboten wird, denn neue Schatten nährten die alten. Auch eine Schwester im Geiste fanden sie, ein Kind des Zwielichts, wie sie selbst und groß war die Freude bei ihnen selbst und ihren Weggefährten. Ein Taruner, dessen Herz sich nicht gegen sein Volk, wohl aber gegen nutzloses Töten gewandt hat und eine Sera, die gleich der jungen Menschendame nicht völlig vom Willen des Steins erfüllt ist“. „Und natürlich uns zwei, obwohl wir eigentlich gar nicht wissen, warum sie ausgerechnet an uns einen Narren gefressen haben“, warf der Zwerg Berilac ein.
„Nun, so wurden wir alle Kinder des Zwielichts, denn der Schatten ruht über dieser Welt und wie eins Reitalir die Sterne und später die Sonne schuf, oder mit Linfandol das Soltaju, so versuchen wir die Schatten von den Herzen der Wesen zu heben und wenn uns das nicht gelingt, dann wenigstens einige von denen zu strafen, welche dem Pfad der Rechtschaffenheit abgeschworen haben oder Frevler sind am Werk der Vantalar“.

Ein plötzliches Geräusch lässt dich deinen Kopf zur Seite drehen. Ein hoch gewachsener, schwarzhaariger Mann mit Mandelaugen hat einen Stuhl vom Tisch weggezogen und ihn einer jungen Dame angeboten. Ein weiteres Geräusch lässt dich deinen Kopf in die Richtung des Zwerges Stoachan wenden, dieser ist aufgesprungen und hat einen Platz für eine blasse Sera bereitet, während du aus dem Augenwinkel bemerkst, wie Berilac und ein Taruner, einer Onlodame, einer Sera und einer weiteren Halbelbe Stühle bereitstellen. Dann nehmen auch die Herren wieder Platz. „Nun, wenn du Lust hast, dann kannst du mit uns trinken, solange du nicht von uns verlangst, dass wir dich mit uns nehmen, denn dessen muss sich dein Herz erst Wert erweisen und das macht es nicht, wenn du uns fragst“. Alsbald steht eine Runde Bier bereit und eine feiner Karaffe Wein, dampfende Bratkartoffeln, mal mit Fleisch, mal mit gebratenen Staubschleifereien, vor jedem der Neuankömmlinge. Alle tragen sie die goldene Fibel mit den pflanzenartigen Ornamenten und sie machen alle den Anschein, als könnte eine solche Gruppe nie zueinander finden. Mit der Frage im Kopf, ob das Herz und die Gesinnung nicht entscheidender ist, als die Herkunft und die Rasse, verabschiedest du dich und gehst hinaus in eine stürmische Nacht, in eine Welt, die gefahrvoller ist, als je zuvor.

 

(c) Stoachan Eisenhand

 

 

 

      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

     

 

     

 

 

 

 

     

 

 

       

 

 

  

 

     

 

 

 

     

 

 

     

 

      

 

 

     

 

 

       

 

 

     

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      

 

    

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

   

 

 

Zauber

 

           

 

 

 

         

 

      

 

 

 

 

 

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